Herbsttagung 2013

Die diesjährige Herbsttagung der LAG HEP war am 14.11.2013 in den Räumlichkeiten des Gertrud Bäumer Berufskollegs in Duisburg zu Gast. Rund 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 45 Mitgliedsschulen zeigten sich interessiert und sind der Einladung gefolgt. Im thematischen Mittelpunkt standen wissenschaftsorientierte Perspektiven zur Sozialraumorientierung in der Behindertenhilfe und solche der Umsetzung.

Prof. Dr. Thomas Zippert, Rektor der Fachhochschule der Diakonie in Bielefeld, zeigte in seinem Vortrag am Morgen einen theoretischen Überblick über die Begriffe „Sozialraum" und „Behinderung" auf. Vielfältige Dimensionen sozialer Ungleichheit sind auch im Zeitalter des Leitbilds Inklusion offenkundig und wurden von Prof. Zippert dargestellt. Seine Schlussfolgerung, dass der Mensch wahrscheinlich nur vor Gott und dem Gesetz gleich sei und im Zuge zunehmender Pluralisierung von Lebensräumen soziale Ungleichheit eher wächst denn abnimmt, erzeugte eine Wirkung, die auch im anschließenden Plenumsgespräch deutlich wurde.

Um Sozialräume in ihrer Divergenz sowie Überschneidung deutlich zu machen, machte er die Zuhörerschaft mit dem Layer-Modell vertraut, welches - analog zu übereinanderliegenden Overheadfolien - eine Landkarte zeichnet, in welcher die Dimensionen des Sozialraumes sichtbar gemacht werden können. Erkennbare Verbindungen innerhalb eines Sozialraumes, welcher aus sich überschneidenden Lebensräumen besteht, legt Teilhabe der Mitglieder des Sozialraumes nahe. Fehlende oder nur unzureichende Verbindungen weisen auf Ausschluss einzelner Mitglieder hin.

Anhand ausgewählter Ergebnisse der aktuellen Sinus-Milieu-Studie zeigte Prof. Zippert auf, dass es nur wenige Tendenzen in der Entwicklung von Sozialräumen gibt, die Inklusion fördern, sondern mehr, die Exklusion verstärken.

Festzuhalten bleibt, dass Menschen mit Behinderungen oftmals eine Stellung am Rande der Gesellschaft und somit auch innerhalb ihrer Sozialräume haben. Ideen, dies zu ändern, entwickelten Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Gespräch. Die Gestaltung von Win-win-Situationen, also solchen, in denen Menschen mit Behinderungen ebensolche Vorteile aus Kontakten und Kooperationen mit der sie umgebenden Nachbarschaft haben wie diese selbst auch, ist nur eine Möglichkeit zur Teilhabe zu verhelfen. Die Idee der Teil-gabe, folglich die Auseinandersetzung mit der Frage was Einrichtungen der Behindertenhilfe dem Gemeinwesen geben können, stellt eine weitere diskutierte Möglichkeit dar.

Sarah Dieckbreder-Vedder, Leiterin der Bahnhofsmission und einiger Beratungsstellen der Diakonie Ruhr in Hamm, übertrug im Nachmittagsvortrag das Layer-Modell auf ihre Netzwerkarbeit im Quartier „Herringer Heide". Sie schlug einen Perspektivwechsel zur Ermittlung und Förderung der Vernetzung eines Sozialraumes vor, der in der scheinbar einfachen Formel „durch die Brille des Klienten sehen" deutlich wird. Kenntnisse über die Geschichte und Hintergründe des Sozialraumes verhelfen dem sozial Tätigen ebenso zur Anschlussfähigkeit an die Mitglieder des Sozialraumes wie das Wissen um Symbolkräfte, die in diesem Raum wirken. „Nosing around" kann eine Methode sein sich dieses Wissen zu erschließen. In ihrem Fazit bescheinigte Frau Dieckbreder-Vedder dem Layer-Modell die Praxistauglichkeit. (JB)