Herbsttagung 2014

Entwicklungen in der Eingliederungshilfe und ihre Auswirkungen auf die Heilerziehungspflegeausbildung

Das Thema „Ausbildung Heilerziehungspflege – Vorbereitung auf sich verändernde Praxis?" schien das Interesse zahlreicher LAG-Mitglieder geweckt zu haben, die der Einladung zur diesjährigen Herbsttagung am 18.11.2014 in das ESPA-Berufskolleg nach Münster folgten. Neben informativen und anregenden Vorträgen fand ein reger Austausch zwischen Vertretern von Auszubildenden, Schule, Praxis und Politik statt.

Michael Wedershoven, LWL-Referatsleiter Behindertenhilfe, brachte dem Auditorium den Wandel der Eingliederungshilfe anhand von Fallzahlen der letzten zehn Jahre näher. Nicht nur die mit dem Paradigmenwechsel in der Behindertenhilfe einhergehende Ambulantisierung der Hilfen zeigt ihre deutliche Wirkung, auch Fachleistungsstunden für eine sich stetig wandelnde Zielgruppe wurden erhöht. Besondere Herausforderungen für Heilerziehungspflegerinnen und Heilerziehungspfleger sieht Herr Wedershoven unter anderem im Umgang mit einer von Teilhabe und Personenzentrierung ausgehenden zunehmenden Hochaltrigkeit von Menschen mit Behinderungen, einer damit einhergehenden steigenden Pflegebedürftigkeit sowie einer Netzwerkarbeit, die an den Lebenswelten und Sozialräumen der Adressaten orientiert ist.

Die Studierenden Mark Marciniak und Achim Wehrmann des Ita-Wegmann-Berufskollegs Wuppertal berichteten von einem Stimmungsbild der angehenden Fachkräfte, welche sich nur teilweise gut auf ihre künftige Berufspraxis vorbereitet fühlen. Seitens der Praxis erleben viele Studierende die Auswirkungen des Fachkräftemangels unmittelbar, da sie frühzeitig als Fachkräfte eingeplant und eingesetzt werden, wodurch es zu Überforderungssituationen kommen kann. Genügend Zeit für eine gute Anleitung und eine intensivere Kommunikation zwischen Schule und Praxisort sind zentrale Anliegen und Wünsche der Studierenden. Ebenso wird eine Stärkung des Curriculums zugunsten praxisnaher Bereiche wie Psychiatrie und Pflege sowie ein deutlicher Praxisbezug praxisfernerer Bereiche wie Religion und Deutsch/Kommunikation vermisst.

Dem Wunsch der Studierenden nach einer engeren Zusammenarbeit der Lernorte trugen Marion Schubert und Falk Terlinden, Lebenshilfe NRW, Rechnung. Mit ihrer Ausbildungsoffensive gewinnen sie Fachkräfte in allen Einrichtungen ihres Trägers landesweit, die sich zu Ausbildungskoordinatoren weiterbilden. Zentrale Aufgaben sind die Regelung von Praxisfragen, Koordination der Praxisplätze sowie Anleitung und Beratung von Praxisanleitern der angehenden Heilerziehungspflegerinnen und Heilerziehungspfleger. Ein Ausbau der Zusammenarbeit mit Fachschulen wird ausdrücklich gewünscht.

Im Rahmen der sich anschließenden Podiumsdiskussion, an welcher die Referenten sowie Lothar Danielowski, Berufskolleg Königstraße Gelsenkirchen, teilnahmen, wurde deutlich, dass NRW einerseits im bundesweiten Vergleich zwar hohe Entgelte zahlt, es andererseits aber für examinierte Heilerziehungspflegerinnen und Heilerziehungspfleger schwieriger wird eine Arbeitsstelle in vollem Stundenumfang zu bekommen. Sinkt dadurch die Attraktivität des Berufes? Zumindest wurde eine Lanze gebrochen für ein angemessen entlohntes Berufspraktikum, dem die Zuhörerschaft einhellig zustimmte. Eine tarifliche Bezahlung im Rahmen der praxisintegrierten Ausbildung könnte eine weitere Zukunftsvision sein, für die es sich lohnt einzustehen. (JB)