Herbsttagung 2015

Diversität wahrnehmen und kultursensible Unterstützung anbieten

Migration, Flucht und Behinderung – aktueller denn je ist die Auseinandersetzung mit dieser Thematik, so dass die LAG HEP für die diesjährige Herbsttagung im Berufskolleg Königstraße in Gelsenkirchen 81 Teilnehmer/innen aus 40 Berufskollegs begeistern konnte.

Zahlreiche Referentinnen aus Wissenschaft und Praxis bereicherten mit ihren Beiträgen die Tagung und gaben ihr einen verbindenden Rahmen. Sophia Falkenstörfer, Dozentin im Fachbereich geistige Entwicklung der Universität zu Köln, zeigte in ihrem Eröffnungsvortrag die Vielschichtigkeit des Begriffs Migration auf und setze ihn in Beziehung zu Behinderung. Kulturelle Unterschiede in der Wahrnehmung, Entstehung und Bewältigung von Behinderung müssen von Fachkräften erkannt und reflektiert werden, um kultursensibel arbeiten zu können. Die Referentin rief dazu auf echtes Interesse an seinem Gegenüber zu zeigen, ihm mit einer fragenden Haltung entgegen zu treten und sich eigener Klischeebildungen bewusst zu werden. Diversität ist längst Normalität in Deutschland. Das bedeutet auch, unterschiedliche Perspektiven auf Behinderung anzuerkennen und ein „Besserwissen" zu vermeiden. Ebenso gilt es Barrieren der Inanspruchnahme für Angebote der Behindertenhilfe für Migrantinnen und Migranten zu erkennen und abzubauen. So wirken ein Informationsdefizit, die Komplexität des Hilfesystems und Kommunikationsbarrieren der Inanspruchnahme entgegen.

Nuray Özcan, Mitarbeiterin des Sozialpsychiatrischen Kompetenzzentrum Migration Duisburg, machte in ihrem Vortrag darauf aufmerksam, dass Migrantinnen und Migranten in gemeindepsychiatrischen Einrichtungen unterrepräsentiert sind, trotz eines Migrationsanteils von bis zu 70% in einzelnen Stadtteilen der Stadt Duisburg. Um den Zugang zu erleichtern forderte sie eine interkulturelle Öffnung der Träger und Einrichtungen. Aufsuchende Arbeit, etwa in Moscheevereinen, Aufklärung über psychische Störungen und Beratung stellte sie als Möglichkeiten zur Überwindung bestehender Hürden dar. Eine kultursensible Haltung durch die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Kulturen, ihren „Do´s and Don´ts" kann auch hier Schlüssel für ein gelingendes Miteinander sein und Migrantinnen und Migranten den Zugang zu gemeindepsychiatrischen Angeboten erleichtern.

Beide Referentinnen boten am Nachmittag die Möglichkeit sich in einem Workshop vertieft mit der Thematik auseinander zu setzen. Filiz Kutluer stellte in diesem Rahmen das Projekt Behinderung und Migration der von Bodelschwinghschen Stiftungen dar. Die Lehramts-Studentinnen Lisa Gabel, Jessica Matthey und Judith Gottwald der FH Münster ermöglichten einen Einblick in eine im Rahmen einer Semesterarbeit entstandene Unterrichtsreihe zum Thema Migration, Flucht und Behinderung, welche sie bereits in der Praxis erprobt haben.

Im abschließenden Plenum wurden die zentralen Erkenntnisse der Workshops vorgestellt. Insgesamt konnten die Teilnehmer/innen der Fachtagung hochaktuelle neue Erkenntnisse gewinnen. Die vielfältigen Diskussionen im Rahmen der Workshops zeigten, wie groß der Bedarf der Kolleg/innen an "Know-how" zum Thema und zu Möglichkeiten der Umsetzung in unterrichtliche Praxis war. (JB)